
Entstehungsdaten:
USA 1994
Regie:
Annette Haywood-Carter
Darsteller:
Leonardo DiCaprio
Darin Heames
Michael Rapaport
Jake Busey
Bradley Gregg
Link zum Kurzfilm
Renny Harlin presents: „the Foot Shooting Party“ – seines Zeichens ein (ohne Abspann) rund 25-minütiger Short aus dem Jahr 1994, welcher damals das Regie-Debüt Annette Haywood-Carters markierte sowie mit Leonardo DiCaprio, Michael Rapaport und Jake Busey in frühen Rollen ihrer Karrieren aufzuwarten vermag. Im Vorfeld war Haywood-Carter hauptsächlich als Script-Supervisor tätig gewesen – u.a. bei „Wanted: Dead or Alive“, „At Play in the Fields of the Lord“, „Driving Miss Daisy“ sowie den drei Harlin-Streifen „A Nightmare on Elm Street 4: The Dream Master“, „Die Hard 2: Die Harder“ und „Cliffhanger“ – bis eine Dame bei „Disney“, die eins ihrer selbst geschriebenen Drehbücher gelesen hatte, sie auf ein Projekt zur Talent-Entwicklung hinwies, das just zuvor von Jeffrey Katzenberg und „Touchstone Pictures“ initiiert worden war: Ein Fonds, der den jeweils Auserwählten 150.000,- Dollar für die Realisierung eines Kurzfilms zur Verfügung stellen würde. Zufällig befand sie sich gerade im Besitz einer passenden, von Newcomer Kenneth F. Carter verfassten Vorlage, welche sogleich auf großen Zuspruch stieß – und so entstand das hier nun zur Rezension vorliegende Werk…
Zum Klang des Songs „Run through the Jungle“ von Creedence Clearwater Revival eröffnend sowie nach Sonnenuntergang in einem geräumigen Haus in Amerika zu Zeiten des Vietnam-Kriegs angesiedelt, lernt der Zuschauer (zumindest oberflächlich-flüchtig) die fünf Mitglieder der aufstrebenden Rock-Band The Comrades kennen: Bud (DiCaprio), Uncle Rose (Bradley Gregg), Tree (Busey), Mandrake (Darin Heames) und Lizard (Rapaport). An diesem Abend haben sie sich dort versammelt, da ersterer zum Militärdienst einberufen wurde – und um zu verhindern, dass jener in den Kampf ziehen (sowie dabei töten oder gar sterben) muss, wollen sie ihm bei der Umsetzung eines ihn genau davor bewahrenden Plans beistehen: Bud hat vor, sich in den Fuß zu schießen, um dadurch die Einstufung untauglich zu erhalten und ausgemustert zu werden. Lizard hat die Waffe besorgt, mit rotem Lippenstift wird eine „Zielscheibe“ auf Bud's Spann gemalt sowie die Pistole geladen. Nun direkt mit dem Ernst des Ganzen konfrontiert, kommen dann aber plötzlich doch noch (nicht nur bei Bud) ziemliche Zweifel an der Sache zum Vorschein, was zu einer emotionalen Diskussion führt…
„the Foot Shooting Party“ beschäftigt sich mit einem Dilemma, vor dem etliche Männer in den USA Ende der '60er und Anfang der Siebziger standen: Von ihrem Vaterland in den Krieg entsandt werden – oder einen Weg finden, um das zu verhindern. Seitens der Gewalt und den Verlusten schockiert, herrschte nicht bloß in „Gegenkultur-Kreisen“ reger Unmut über den Einsatz der GIs in jenem blutigen Konflikt. Bud muss sich entscheiden: Der Aufforderung Folge leisten und darauf hoffen, weder schwer verletzt und/oder traumatisiert zu werden noch sein Leben zu verlieren, über die Grenze nach Kanada ins Exil gehen oder sich selbst in einen als kampfunfähig geltenden Zustand bringen. Mit einem kaputten Fuß wäre er für die Armee ungeeignet und die Band könnte im Grunde nahtlos so weitermachen – doch was würden die Leute über ihn denken? Generell vertritt er ja keine anti-amerikanische Gesinnung – weswegen ein „Auswandern nordwärts“ für ihn nicht wirklich in Frage kommt – allerdings steht er nunmal nicht hinter dieser Politik und hat er natürlich auch schlichtweg Angst vor allem damit Verbundenen. Was wäre wohl besser: Als Feigling zu gelten – oder ggf. als Patriot beerdigt zu werden?
Die von Carter erdachte Story ist durchaus reizvoll – schließlich wartet sie mit verschiedenen moralischen, ethischen und persönlichen Gesichtspunkten auf, die es abzuwägen gilt, ohne eine klare gute Lösung (frei gewichtiger Konsequenzen) raus aus dieser misslichen Lage bieten zu können. Obendrein sind solche Überlegungen – also Desertations-Bestrebungen bzw. sich von Beginn an einer Einberufung zu entziehen – prinzipiell zeitlos, überall auf der Welt zu verzeichnen sowie bekanntlich ja strafbare Taten. Bud's Schicksal steht auf dem Spiel – wobei Mandrake (anders als Tree, Uncle Rose und Lizard) prompt offen sein Missfallen an dem Vorhaben äußert: Die daraus resultierenden Ausführungen und Debatten der beiden transportieren die wichtigsten Argumente und Inhalte, fördern bislang zwischen ihnen noch nie derart offen kommunizierte Ansichten und Gedanken zutage und bewirken auf jener Basis eine Reflexion, ob es nicht vielleicht doch eine vorteilhaftere Option als die anvisierte gibt. Mit einer ihnen von Lizard auf den Tisch gestellten Flasche Tequila schon bald leer, sind die vier Comrades wahrhaft gespannt, welche Wahl ihr Band-Leader letztendlich wohl treffen wird…
„the Foot Shooting Party“ mutet mitunter merklich ungeschliffen an – speziell im Bereich der Dialoge und Laufdauer: Eine Straffung um bis zu zehn Minuten hätte dem Short eine kompaktere Beschaffenheit verliehen, ohne dass der „zentrale Kern“ der Handlung (Bud's Misere und die mit jener verzahnten Interaktionen innerhalb der Gruppe) darunter gelitten hätte. So z.B. wäre es ein leichtes gewesen, die Szenen der von Merle Kennedy („the Perfect Storm“), Robin Swid („Ugly Naked People“) und Sarah Lassez („the Clown at Midnight“) gemimten Freundinnen dreier der Musiker komplett herauszuschneiden – zumal sie ohnehin bloß ausharrend draußen auf der Veranda warten müssen und keinen Einfluss auf die Geschehnisse drinnen im Haus nehmen. Die Performances aller sind keineswegs perfekt – gerade wenn gesteigerte Emotionalität ins Spiel kommt – allerdings muss man sich über sie auch nicht unbedingt beklagen; speziell nicht im Kontext eines Projekts wie dieses. Bud am stärksten „Gegenwind“ liefernd, mochte ich Darin Heames („Dr. Giggles“) als Mandrake persönlich am liebsten – und das von seinem Auftreten sowie der generellen Gestaltung des Parts her…
In der Hauptrolle sieht Leonardo DiCaprio („Don't look up“) wie ein 14-Jähriger aus – wobei er am Set jedoch seinen 19. Geburtstag feierte sowie zugleich just dann für „What's eating Gilbert Grape“ für einen Oscar nominiert war. Hinsichtlich der Sympathie- und Gedanken-Bildung des Publikums, sich diesen Bubi in der Hölle des Vietnam-Kriegs vorzustellen, ist sein „Baby-Face“ natürlich recht effektiv – selbst wenn er mich ansonsten bloß eingeschränkt überzeugen konnte. Als Uncle Rose geht Bradley Gregg („Fire in the Sky“) in Ordnung – ebenso wie Michael Rapaport („Cop Land“) als Lizard und Jake Busey („the Killing Jar“) als Drummer Tree, der insgesamt aber kein einziges Wort spricht. Dafür trägt er eine auffällige Perücke, die ähnlich unfreiwillig amüsant belustigend ausschaut wie Rapaport's Koteletten-Backenbart. Wenigstens sind Leo's langen Haare echt. Des Weiteren kamen mir bei einer Einstellung – und zwar eine mit den Comrades in einer groben Kreisform sitzend sowie mit Cinematographer Karl Kases' („the President's Man“) Kamera dabei direkt in ihrer Mitte platziert – unweigerlich ähnliche Shots in TV's „That '70s Show“ in den Sinn, welche allerdings später entstand…
Trotz der ernsten Materie kommt „the Foot Shooting Party“ ein Stück weit quirky daher – was punktuell nicht immer optimal funktioniert. Gepaart mit der Ausstattung, Location, Beleuchtung und Score-Untermalung ist aber zumindest eine solide ausgeprägte Stimmung zu verzeichnen – selbst wenn sich der Spannungs-Grad, ob er sich denn nun tatsächlich in den Fuß schießt oder nicht, in Grenzen hält sowie der gewählte Stil des finalen Moments vor den Schluss-Credits irgendwie eine seltsame Wahl markierte. Haywood-Carter öffnete dieser Kurzfilm jedenfalls die erhofften „beruflichen Türen“ – und das unabhängig dessen, dass er nur auf zwei Festivals sowie im Rahmen einiger Private-Screenings zu sehen war: Als sie für „Amblin Entertainment“ als Script-Supervisor an „the Flintstones“ und „Casper“ mitwirkte, richtete man es dort nämlich ein, dass Steven Spielberg ihr Werk zu sehen bekam – welcher sie daraufhin als Regisseurin für eine Episode seiner Serie „SeaQuest DSV“ engagierte; was wiederum dazu führte, dass sie das (inzwischen Kult-Status genießende) 1996er Drama „Foxfire“ (mit einer jungen Angelina Jolie) in Szene setzen durfte, gefolgt u.a. von „Savannah“ und „Daughter of the Bride“…
