Die letzten Filme:
Tote tragen keine Karos
Ganz wunderbare, slapstickhaft sogar der "Nackten Kanone" vorauseilende Hommage an den Film Noir mit eingeschnittenen Originalsequenzen alter Filme der schwarzen Serie, die das Ganze zum munteren Rätselraten machen. Schade, dass ich noch eher wenig aus diesem Bereich gesehen habe, muss ich unbedingt nachholen.
Steve Martin agiert herrlich verrückt mit all den Grants, Prices, Lancasters und Bogarts aus der Konserve und gibt einen klasse Detektiv ab - bisher die beste Rolle, in der ich ihn gesehen habe.
Lammbock
Ganz netter deutscher Beitrag aus der Post-Tarantino-Welle, der auch gar keinen Hehl daraus macht, ganz offensichtlich "Reservoir Dogs" und "Pulp Fiction", thematisch dann noch "Bube, Dame König, grAs" nachempfunden zu sein. Beileibe aber nicht gut genug strukturiert für ein richtiges Klasse-Plagiat, müht sich "Lammbock" mit abgepausten Charakteren wie dem Jay-Verschnitt ab und lässt reihenweise die Subplots im Nichts fallen, als wäre nie was gewesen. Die Dialoge eines Tarantino-Films werden aber überraschend gut analysiert und demontiert und am Ende mit einem zufriedenstellenden Ausgang verknüpft. Nicht zu vergessen die urkomischen Halluzinationsabschnitte, die dann entfernt an "Trainspotting" erinnerten. Wer hat nicht Angst davor, irgendwann mal aufzuwachen und plötzlich schwarzweiß zu sein...
Der letzte Mohikaner
Die nunmehr siebte Verfilmung des Stoffes beginnt sehr konventionell und mit vorhersehbarem Handlungsablauf, gerade was die Differenzen zwischen den Engländern, Franzosen und Huronen betrifft. Die Dialoge sind dabei zwar gut, aber inhaltlich eben eher altbacken. Später nimmt Michael Manns Film dann an Fahrt auf und überzeugt mit schönen Bildern und gewaltigen Aufeinandertreffen, die nur leider zu unblutig/unrealistisch ausgefallen sind. Die wenigen expliziteren Szenen wie das herausgerissene Herz wirken dadurch einsam und verlassen und eben ein wenig fehl am Platz. Es ist aber am Ende doch - auch wegen eines sehr guten Daniel Day-Lewis - ein intensiver Film, aber eben ein wenig zwiespältig in der Gesamtbetrachtung. Exemplarisch dafür auch der Score, der zwischen Standardprogramm und wirklich genialen Momenten hin. und herpendelt. Am Ende überwiegen dann die genialen Momente.
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King of Queens - Season 7
Inzwischen im plottechnischen Wiederholmodus angelangt, macht die siebte Staffel immer noch überraschend viel Laune, was für eine Sitcom mit einer derart minimalistischen Konzeption schon sehr für die Alleinunterhalterfähigkeiten der Comedians spricht. Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack, weil eben irgendwie schon alles gesagt zu sein scheint. Und trotzdem kann man nicht umhin, in jeder Folge aufs Neue ein breites Grinsen aufzusetzen.
Caché
Sehr bedrückendes Psychodrama von Michael Haneke, der mit einer schier unerträglichen Starre inszeniert und durch viele Standkameras und das Zustandekommen des Dramas aus dem Gewöhnlichen heraus nicht selten an "Irreversibel" erinnert, auch ein ähnliches Gefühl erzeugt. Weiterhin wagt sich Haneke erneut in die Meta-Ebene und verwirrt den Betrachter, indem plötzlich das Bild vorgespult wird und sich alles nur als Videoaufnahme entpuppt. Ein Stilmittel, das im zynischen "Funny Games" noch umstritten war. Hier fügt es dem Zuschauer permanente Beklommenheit zu, ein sadistischer und zerstörerischer Akt. Denn es ist eine Qual, ständig im Ungewissen zu liegen darüber, wem man vertrauen kann und wem nicht und nicht erkennen zu können, woher die Bedrohung kommt. Mit der FSK12 auch eine zweifelhafte Freigabe, da der Grad an psychologischer und physiologischer Gewalt ungleich höher liegt.
Dieter - Der Film
Bei der letzten Ausstrahlung verpasst, jetzt hatte ich mal die Gelegenheit.
Also, Michael Schaacks Handschrift ist unverkennbar. Als fiktionale Geschichte um eine fiktionale Figur wäre das als eine bessere Werner-Episode durchgegangen. Sehr ordentlich animiert und mit einem gewissen Sinn für Situationskomik, den man der Figur Didäää gar net zugetraut hätte.
Der bittere Beigeschmack kommt dann auch bevorzugt von Seiten der realen Person hinter dem Film-Dieter, dessen Abenteuer zwar wohl nur noch rudimentär was mit der Biographie zu tun haben dürften, der aber trotzdem halt die groben Stationen umreißt. Das hat zur Folge, dass man als jemand, der den Boulevard nicht verfolgt, eher wenig zu lachen hat. Und wenn man doch ungefähr weiß, wer Didä und Naddel und Verona sind, hat man das Problem, dass man weiß, dass der Typ gar nicht so einen Aufwand verdient hat. Der Kerl aus dem Film ist klar sympathischer als seine Vorlage und insofern wirkt die Comic-Bio auch ein Stück weit verlogen.
Komme da im Querschnitt etwa auf
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Running Scared
Beim ersten Mal hatte ich ja schon übermütig davon gesprochen, dass der Streifen fast schon Klassikerpotenzial entwickelt, obwohl das komplett der trendy Hochglanz-Inszenierung widerspricht. Aber auch nach dem zweiten Mal hat sich für mich persönlich an dieser Einschätzung kaum etwas geändert. Mitreißendes, düsteres Großstadt-Gruselmärchen, das entgegen aller Erwartungen eine ganz eigene Marke entwickelt und einfach das gewisse Etwas hat.
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Die rote Verschwörung
Grundsolider, spannungstechnisch ordentlicher TV-Thriller über die Suche eines Historikers nach einem unbezahlbaren Dokument, das die Geschichte verändern könnte. Der Verlauf ist stringent und auf ein Endziel zugeschnitten und verliert sich so eben oft in Verfolgungen und Recherchen, die in ihrem Aufbau ein wenig an "Die neun Pforten" erinnert.
Der eiskalte Engel
Prototypischer Klassiker des Killerportraits im minimalistischen Gewand, der spätere Genreklassiker wie "Leon - der Profi" wesentlich mit beeinflusst haben dürfte. In ruhigen Bildern mit langen Einstellungen und wenig Dialog inszeniert Jean-Pierre Melville das Charakterprofil einer Person, deren menschliche Eigenschaften hinter einer Maske der Professionalität vollkommen versinken.
Es kommt dabei zum Spiel mit dem Identifikationsmechanismus, denn in keinem Fall stellt Alain Delon als humorloser Mann im kargen Mantel und mit geisterhaftem Gesicht eine sympathische Figur dar, und doch verfallen ihm viele der Antagonisten zumindest soweit, dass für ihn Gesetze gebrochen werden. Ähnlich angewidert von der Kaltblütigkeit des Mannes, und doch zugleich fasziniert von ihr steht der Zuschauer zur Hauptfigur, unterstützt sie und kann sich nicht einmal erklären, warum.
Heute hat der Film sicher einiges an Staub angesetzt, was die trockene Inszenierung sicher nicht aushebeln kann, aber doch ist die cineastische Bedeutung unverkennbar.
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The Eye
Stilsicherer und geradlinig erzählter Geisterhorror, der inhaltlich nicht gerade die Sterne vom Himmel holt, aber seinen Zweck erfüllt. Erinnert vom Prinzip stark an "The Sixth Sense", mit dem Unterschied, dass die Person, "die tote Menschen sieht", diesmal hundertprozentige Identifikationsfigur ist.
Die Pangs bieten ein paar sehr gute Gruselszenen und am Ende gibt es ein spektakuläres Finale, das, wie überhaupt der ganze Aufbau, Parallelen zu "The Mothman Prophecies" erlaubt. Um wirklich gut zu sein und die Genrekoryphäen auf die Plätze zu verweisen, fehlt der besondere Umgang mit dem Thema.
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